Die Welt auf dem See

Vorarlberg Lines
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Geschichte

Die Gründung der österreichischen Bodensee-Dampfschifffahrt in Verbindung mit den K.K. Österreichischen Staatsbahnen

Am 13. März 1880 beschloss der österreichische Reichsrat das Gesetz über die Erbauung der Arlbergbahn Innsbruck - Bludenz. Am 3. Mai des gleichen Jahres wurde dieses Gesetz auch vom Herrenhaus angenommen und am 8. Mai von Kaiser Franz Josef I. sanktioniert. Während der Erbauung dieser Bahnstrecke wurde die schon seit 1872 bestehende Vorarlberger Bahn Lindau - Bludenz ab 1. Juli 1882 von den k.k. Österreichischen Staatsbahnen übernommen.

Nun war endlich der Zeitpunkt gekommen, um auch für Österreich eine Dampfschifffahrtsanstalt in Angliederung an das Staatsbahnnetz zu gründen. Als vorrangig angesehen wurde die Errichtung eines Trajektdienstes für den Güterverkehr und per Gesetz vom 4. Juni 1883 wurden die Geldmittel zur Errichtung einer Trajektanstalt in Bregenz bereitgestellt.

Als geschäftsführende Behörde des neuen Schifffahrtsunternehmens nahm am 1. Dezember 1883 die k. k. Bodensee-Dampfschifffahrtsinspektion Bregenz ihre Tätigkeit mit den Vorbereitungen für die Betriebseröffnung auf. Als leitender Beamter dieser Behörde wurde der k.k. Korvettenkapitän Emil Krumholz ernannt, der in der Folge nicht nur die österreichische Schifffahrt zu einem Musterbetrieb gestaltete, sondern in seinen Werken auch die gesamte Bodenseedampfschifffahrt maßgeblich förderte.

Den 15. September 1884 kann man als Geburtstag der Österreichischen Bodenseeschifffahrt bezeichnen. Unter persönlicher Teilnahme von Kaiser Franz Josef I. fand an diesem Tag die offizielle Eröffnung statt.

Ausbau der Bregenzer Hafenanlagen

Der alte staatliche Schiffshafen von Bregenz mit den beiden runden Leuchttürmen auf den Molenköpfen – im Volksmund liebevoll „Salz- und Pfefferbüchsle“ genannt - hätte den Anforderungen des neuen Schifffahrtsunternehmens keinesfalls genügt.

Darum wurde sofort mit dem Um- bzw. Ausbau des Hafens begonnen. Die beiden alten Molenköpfe wurden abgetragen und ihre Fundamente gesprengt. Der westliche Mob, als Wellenbrecher zum Schutz der im Hafen liegenden Schiffe bestimmt, wurde auf eine Länge von 80 Metern nach Norden Richtung See verlängert. Da sich der Seegrund am Molenkopf als nicht tragfähig für einen massiven Leuchtturm erwies, wurde vorerst als Träger für die Signallichter ein Holzmast aufgestellt, der im Jahre 1903, durch den heute noch bestehenden eisernen Gittermast, ersetzt wurde.

Das östliche Mob (heutiges Personenmolo), auf dem sich das Hafengebäude befindet, wurde so ausgebaut, dass ausreichend Platz für drei Schiffe zur Verfügung stand. Das Hafengebäude selbst wurde vergrößert, in diesem wurden die Amtsräume für den Hafenmeister, die Hafenkassa sowie eine große Zollhalle untergebracht. Der bahnseitig gelegene Teil wurde zur Haltestelle Bregenz-Hafen der Staatsbahnen umgestaltet.

Am 1. Juni 1890 wurde der Personenschiffsverkehr vom Westmolo auf den neuen Personenmolo verlegt und am gleichen Tag auch die Bahnhaltestelle Bregenz-Hafen eröffnet. Am 26. Mai 1891 wurde ein eiserner Übergangssteg (ähnlich der früheren Gulaschbrücke) über die Bahnstrecke beim Hafen dem Verkehr übergeben. Dieser Übergangssteg wurde im Jahre 1955 wieder abgebrochen.

An der Südseite des Hafenbeckens wurden die für den Trajektdienst notwendigen Einrichtungen geschaffen. Ein Doppelgeleise, das seine Fortsetzung auf der durch Gelenke mit der Hafenmauer verbundenen Trajektbrücke fand, stellte die Verbindung mit den Bahnhofsanlagen her. Rechts und links dieses Übergangsstückes trugen zwei hohe, mächtige Säulen große Räder. Über diese liefen starke Ketten für den Hebemechanismus der Trajektbrücke. An den einen Enden hingen schwere Gewichte, an den anderen hing die Trajektbrücke. Mit diesem Hebemechanismus wurde beim Be- und Entladen der Trajektkähne die unterschiedlichen Höhen reguliert. Zwei starke Pfahlbündel im Hafenbecken ermöglichten das Einschwenken der ankommenden Kähne zur Trajektbrücke.

Gegen Norden wurde ein neuer Molo, der sogenannte Reservemolo, erstellt und dadurch ein zweites Hafenbecken geschaffen. Nach diesen um 1890 in der Hauptsache vollendeten Arbeiten war der Hafen von Bregenz mit 48.820 m2 Fläche der drittgrößte Hafen am Bodensee.

Die ersten österreichischen Bodensee-Dampfschiffe

Zur Jahreswende 1883/84 wurde auf dem Bregenzer Ried (heutiges Areal des Festspiel- und Kongresshauses) eine provisorische Werft mit zwei Hellingen errichtet, auf denen die ersten österreichischen Glattdeckdampfschiffe „Austria“ und „Habsburg“ gebaut wurden. Das DS „Austria“ lief am 05. Juni und das DS „Habsburg“ am 10. Juni 1884 vom Stapel. Die beiden Schiffe wurden von der Prinzessin Karolina von Thurn und Taxis getauft, was ein neuer Vorgang in der Geschichte der Bodenseeschifffahrt war.
Außer den beiden Dampfern wurden 4 Trajektkähne in Dienst gestellt. Sie hatten auf dem Deck zwei Gleise und konnten je 8 Güterwaggons aufnehmen. Der Trajektverkehr wurde zwischen Bregenz - Friedrichshafen, Konstanz und Romanshorn durchgeführt.

Das Personal für die neue Schifffahrt wurde vom geschäftsführenden Vorstand bis zum Matrosen in der Hauptsache aus dem Personalstand der österreichischen Kriegs- und Handelsmarine übernommen.
Im Jahre 1885 wurde das erste Salonschiff „Kaiser Franz Josef I“ und die Propellerboote „Bregenz“ und „Karoline“ in Dienst gestellt. Der steigende Verkehr machte den Bau von zwei weiteren Salonschiffen notwendig. Im Jahre 1887 das Salonschiff „Kaiserin Elisabeth“ und 1892 das Salonschiff „Kaiserin Maria Theresia“. Als größtes und schönstes Dampfschiff Österreichs, der klassische Salondampfer des Bodensees überhaupt, kam 1910 das DS „Stadt Bregenz“ in Betrieb. Das neue, 1000 Personen fassende Dampfschiff durfte als einziges österreichisches Schiff auch unter der Republik seinen Namen behalten.

Der erste Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg hatte zur Folge, dass im Personen- und Güterverkehr der Bodenseeschifffahrt ein gewaltiger Rückgang zu verzeichnen war. Der internationale Güteraustausch und der Trajektverkehr kamen dadurch zum Stillstand.

Nach dem Weltkrieg war die Herrschaft der Habsburger zu Ende. Durch eine Verordnung des Staatsamtes für Verkehrswesen vom 18. Dezember 1919 wurden die Schiffsnamen, soweit sie an die Habsburgerzeit erinnerten, durch solche von Vorarlberger Orten ersetzt. Von den Radkästen der Schiffe wurden die österreichischen Kaiserkronen entfernt und durch die entsprechenden Städtewappen ersetzt. An Stelle der österreich-ungarischen Handelsflagge führten die Schiffe nun die rot-weiß-rote Staatsflagge. Auch nach dem Krieg vergingen mehrere Jahre, bis sich der Schiffsverkehr auf dem Bodensee wieder erholte. Der Trajektverkehr von und nach Bregenz blieb ganz eingestellt. Die Trajektkähne wurden teils an andere Verwaltungen, teils an private Unternehmen verkauft.

 
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